Auktionen

Erfolgreicher Jahresauftakt bei Lempertz in Brüssel

Die Auktion "Art of Africa, the Pacific and the Americas" bei Lempertz in Brüssel sorgte am 31. Januar für einen gelungenen Jahresauftakt. Die Schätzungen wurden teils deutlich übertroffen, die Zuschlagsquote war hoch.


An important seated royal Hemba Singiti Figure, Panda Luganze, Luika river, Democratic Republic of the Congo, Muvula wood, H.79 cm, Ergebnis: € 90,000

Bild: Lempertz

Spitzenlos war eine Singiti, ein besonderer Typus von Ahnenfiguren, den das im Gebiet der DR Kongo ansässige Volk der Hemba besonders ab dem 18. Jahrhundert entwickelt hat. Ein besonders ausdrucksstarkes Beispiel dieser Kunst aus der Mitte des 19. Jahrhunderts strahlt beispielhaft die für diese Werke typische Ruhe aus und ist eines von zahlreichen Objekten aus der bedeutenden Grassi Collection, die an diesem Tag in Brüssel aufgerufen wurden. Mit dem Ergebnis von 90.000 Euro bestätigte die auf 80.000 Euro taxierte Skulptur die Erwartung als Spitzenlos.

Ebenfalls aus der Grassi Collection kam ein lebensgroß in Stein gearbeiteter Kopf. Dieses Artefakt fanden Bauern in Sierra Leone bei der Bearbeitung ihrer Felder vor, nachdem diese Kunst bereits dem kulturellen Gedächtnis der Zeit entfallen war. Stilistisch kann dieser Nomoli-Kopf in das 12. bis 14. Jahrhundert datiert werden. Das Auktionsergebnis von 37.000 Euro übertraf die Schätzung von 20.000 Euro deutlich.


An important Mahen Yafe head, Sierra Leone, Stone, H. 24 cm, Ergebnis: € 37,000

Bild: Lempertz

Besonders begehrt waren auch Werke der in Zentralafrika beheimateten Luba. Ihre Bildhauerkunst ist besonders hoch angesehen. Entsprechend stark war das Interesse an den zahlreichen Beispielen, die Lempertz am 31. Januar versteigerte, das Angebot an Kunst der Luba wurde nahezu vollständig verkauft.

Eine spektakulärere Geschichte bringt dabei ein Kibango mit, ein Stab, der die Macht eines Würdenträgers darstellt, ähnlich einem Szepter in europäischer Tradition. Die Auktion hielt ein besonderes Beispiel für die Kunstfertigkeit dieser Kultur bereit, die zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert auf ihrem Höhepunkt war. Besonders weibliche Figuren spielen in ihrer Kunst eine bedeutende Rolle, ganz im Einklang mit der Bedeutung von Frauen in der Gesellschaft der Luba. Das Exemplar, das als Los 39 aufgerufen wurde, wurde innerhalb der europäischen Sammlerfamilie vererbt. Zunächst hielten es die Besitzer für eine Art Souvenir von geringem Wert. Die Abteilung für Afrikanische Kunst bei Lempertz in Brüssel erkannte glücklicherweise noch rechtzeitig, dass es sich um ein bedeutendes Zeugnis der Kunstgeschichte Afrikas handelt. Ein Stück kulturelles Erbe ist damit bewahrt, in der Auktion hoben die Bieter es von taxierten 8.000 Euro auf ein Ergebnis von 28.000 Euro. Auch ein zweites Kibango der Luba übertraf die Erwartung deutlich, als es statt taxierter 6.000 Euro ein Ergebnis von 17.000 Euro erzielte.

Mit der Bayer Collection gab es eine zweite bedeutende Sammlung, die für Höhepunkte der Auktion sorgte. Spitzenlos dieser Objekte wurde ein Asyè usu, ein ästhetisch besonders aufwändiger und rituell bedeutsamer Typus. Diese Skulpturen dienten als Mittler zwischen der immanenten und der transzendenten Welt. Auf dem Kunstmarkt sind sie selten zu finden. Das Interesse setzte sich in der Auktion in einem Ergebnis von 69.000 Euro um. Eine Besonderheit der Bayer Collection war ein Blatt von Karl Schmidt-Rottluff. In dem Holzschnitt "Mädchen aus Kowno" zeigt sich der Einfluss deutlich, den traditionelle Kunst Afrikas auf den europäischen Expressionismus hatte. Mit dem Ergebnis von 12.000 Euro fand diese Arbeit, von der sich Exemplare in bedeutenden Museen weltweit finden, einen neuen Besitzer.

Nach dem Erfolg der traditionell am Beginn des Auktionsjahres bei Lempertz versteigerten Kunst wird es in Brüssel in diesem Jahr ein weiteres Highlight geben: Im Sommer findet eine zusätzliche Auktion statt, wiederum mit zahlreichen Werken aus der Grassi Collection wie auch aus der Bayer Collection. (KHL)

 Quelle: Kunsthaus Lempertz KG (KHL)

 

 

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