Kunst-Welt

GOTTFRIED BECHTOLD: "Betonporsche"

Die Heidi Horten Collection holt ein gewichtiges Werk des österreichischen Künstlers Gottfried Bechtold nach Wien: Sein Betonporsche parkt ab sofort auf dem Direktionsparkplatz direkt neben dem Haupteingang des Museums.


Gottfried Bechtold, Elf Elf, 2006 selbstverdichteter Beton, ca. 16,4 t 130 x 443 x 181 cm

Bild: Simon Veres, Heidi Horten Collection

Der Betonporsche ist ein maßstabsgetreuer Abguss eines Sportwagens. Ein Exemplar aus der Serie Elf Elf (2006), basierend auf der ersten Version von 1971, bereichert nun den Skulpturengarten des Museums. Mit einem Gewicht von über 16 Tonnen tritt er als widerständiges Gegenüber von hoher physischer Präsenz in Erscheinung.

Die massive Skulptur verbindet die Form des realen Autos mit der Schwere und Unbeweglichkeit von Beton - ein spannungsreiches Bild für die Ambivalenzen von Fortschritt, Mobilität und Ressourcenverbrauch. Einst Symbol für Zukunft und technologischen Fortschritt, gilt Beton heute zunehmend als ökologisch problematischer Werkstoff.

Die Platzierung direkt neben dem Haupteingang greift die alltägliche Präsenz des Automobils auf und macht den Betonporsche zu einer prägnanten Setzung im öffentlichen Raum. Bechtold transformiert das Auto - Sinnbild von Geschwindigkeit, Mobilität und technischer Präzision - in ein Objekt radikaler Bewegungslosigkeit.


Gottfried Bechtold

Bild: Miro Kuzmanović, Heidi Horten Collection

Das Automobil ist ein zentrales Motiv in Bechtolds Werk. Seit den frühen 1970er-Jahren untersucht er es als Projektionsfläche gesellschaftlicher Vorstellungen von Fortschritt, Individualität und Status. Bereits 1971 realisierte er den ersten Betonporsche - zu einer Zeit, in der sowohl das Auto als auch Beton als Ausdruck technologischer Zukunft galten.

Heute hat sich diese Lesart verschoben: Beton zählt zu den größten CO₂-Emittenten der Bauindustrie, seine Herstellung ist energieintensiv und ökologisch problematisch. Gleichzeitig stehen Individualverkehr und der hohe Flächenverbrauch durch Autos im urbanen Raum im Zentrum gesellschaftlicher Debatten.

Kabinettausstellung bis 11. Oktober 2026

Kontextualisiert wird die Außenskulptur durch eine konzentrierte Kabinettausstellung im Erdgeschoß des Museums. Neben einem Film, der den technisch und handwerklich anspruchsvollen Entstehungsprozess des Betonporsche dokumentiert, zeigen weitere Werke die konzeptuelle Dimension von Bechtolds künstlerischer Praxis.

Die Reisebilder (1971) zeigen den Künstler mit seinem Porsche - laut Beschriftung aufgenommen in Albanien, England, Frankreich und anderen europäischen Ländern. Tatsächlich entstanden sämtliche Fotografien in Vorarlberg, wo Bechtold lebt. Die Arbeiten spielen mit der Konstruktion von Realität: Für den von ihm angesetzten Verkaufspreis hätte der Künstler tatsächlich in die angegebenen Länder reisen können - und die Fiktion wäre zur Realität geworden.

In der Serie Autogesichter (1979) entfaltet sich Bechtolds charakteristischer Dreischritt aus Irritation, Humor und Reflexion. Fotografische Darstellungen von Fahrzeugen werden mit den Ergebnissen einer bewusst absurden Umfrage kombiniert, die Autos ein vermeintliches "Geschlecht" zuschreibt. An die Stelle technischer Daten tritt eine subjektive, kulturell geprägte Zuschreibung. Die begleitende Publikation beinhaltet ein ausführliches Essay zum künstlerischen Werkstoff Beton, verfasst von Christoph Weber. (HHC)

Kuratiert von: Verena Kaspar-Eisert und Rolf H. Johannsen

Zum Künstler

Gottfried Bechtold (*1947 in Hörbranz, Österreich) zählt zu den prägenden Positionen der österreichischen Gegenwartskunst. Seit den 1970er-Jahren entwickelt er ein vielschichtiges Werk zwischen Skulptur, Konzeptkunst, Fotografie, Film und Installation. Als Teil einer Generation, die den erweiterten Skulpturbegriff maßgeblich geprägt hat, zeichnen sich seine Arbeiten durch analytische Präzision, konzeptuelle Klarheit und einen subversiven Umgang mit Wahrnehmung und Realität aus. Bechtold lebt und arbeitet in Vorarlberg.

Ausstellungskatalog Gottfried Bechtold. Betonporsche

Erschienen im VfmK Verlag für moderne Kunst GmbH, Hg. Verena

Kaspar-Eisert, Rolf H. Johannsen; Autor:innen:

Rolf H. Johannsen, Verena Kaspar-Eisert, Christoph Weber;

ISBN 978-3-99153-251-4, VKP: EUR 17,-

Edition

Die Heidi Horten Collection präsentiert eine außergewöhnliche neue Collection Edition: Elf Miniaturversionen des legendären Betonporsche von Gottfried Bechtold. Jede Skulptur ist ein Unikat - geprägt von Zeit und Natur. Über einen Zeitraum von 4 bis 8 Jahren hat der Künstler die Werke im Garten seines Bregenzer Ateliers der Witterung ausgesetzt, wodurch jede Version ihre ganz eigene Patina und Ausdruckskraft erhalten hat. Diese besondere Verbindung von Konzeptkunst und natürlichem Prozess macht jedes Stück unverwechselbar. Jedes Werk wird in einer passenden Verpackung geliefert und ist vom Künstler signiert. Erhältlich im Museumsshop.

Kurier Talk

Thomas Trenkler im Gespräch mit Direktorin Verena Kaspar-Eisert und Künstler Gottfried Bechtold.

Montag, 1.6., 19 Uhr (kostenlos mit gültigem Eintrittsticket)

   Quelle: Heidi Horten Collection (HHC)

 

 

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