Grönland - Not For Sale - Kalaallit Nunaat Forever ist einem Land gewidmet, das vor enormen Veränderungen steht und wie ein Vergrößerungsglas die Themen unserer Zeit aufzeigt. Es sind die filmischen Arbeiten des Teams um Beat Hächler und Gian Suhner und die aktivistische Kunst von Julie Hardenberg, die dem deutschen Publikum zahlreiche Facetten der Wirklichkeit eines Landes und seiner Menschen durch gewaltige Bildwelten sichtbar machen.
Julie Hardenberg, Nuan`(Great), 2011, ©Julie Hardenberg, Courtesy: Julie Hardenberg
Grönland steht aktuell im Fokus geopolitischer Bestrebungen. Seine militärstrategische Lage, die Seltenen Erden und die sich wegen des Klimawandels öffnenden Schiffsrouten haben politische Verschiebungen weiter angeschoben. Spätestens mit den jüngsten öffentlichen Äußerungen des US-amerikanischen Präsidenten steht die Frage nach politischer Unabhängigkeit gegenüber geopolitischer Vernetzung vehement im Raum.
Auch ein langwieriger und schmerzhafter Prozess der Entkolonisierung und Unabhängigkeit von Dänemark prägen die grönländische Debatte, die zwischen Tradition und westlicher Konsumwelt, zwischen Aufarbeitung und Anerkennung verhandelt wird.
Immer noch ist unser westliches Grönland-Bild von unberührter arktischer Natur und Iglu-Romantik und von Vorurteilen geprägt. Was wissen wir in Deutschland von diesem Land? Was wissen wir über die Menschen in Grönland, über die Natur und über die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Umwelt und Kultur? Was über die Geschichte kolonialer Gewalt? Welche politischen Kräfte erheben Anspruch auf das Land, das sich nach Unabhängigkeit sehnt?
2025, Ausstellungsansicht "Grönland. Alles wird anders", ALPS Alpines Museum der Schweiz, Courtesy: ALPS Alpines Museum der Schweiz
Grönland ist vom arktischen Meer umgeben, sechs Mal so groß wie Deutschland und ist in den vergangenen Jahren unfreiwillig in den Fokus der Großmächte gerückt. Mit der Beschleunigung der Erderwärmung sind die ansonsten gefrorenen Seewege befahrbar geworden und die schmelzenden Gletscher legen Oberflächen des Landes in Teilen frei. Die strategische Lage an der Schnittstelle zwischen Kanada, den USA, Russland und Europa weckt die Begierde nach Vorherrschaft über die Meereswege und den Zugriff auf die zahlreichen Rohstoffe.
Wie sehen das die Menschen vor Ort? Grönlands rund 57.000 Bewohner:innen erleben aktuell eine sich zuspitzende geopolitische Lage und finden sich im Fokus internationaler Begehren wieder. Wie haben sich die kulturellen und nationalen Zugehörigkeitsgefühle seit den jüngsten geopolitischen Ereignissen verschoben? Was bedeutet es, in Anbetracht der medialen und politischen Aufmerksamkeit seine politische Unabhängigkeit und kulturelle Identität zu bewahren? Welche Kunst und welche Musik drücken die Gefühle ihrer Einwohner:innen und besonders der jungen Generation aus?
Grönland stellt sich dem Druck globaler Veränderungen, der sich in vielen Regionen der Welt heute auf Menschen ähnlich auswirkt. Die zahlreichen Folgen der globalen Klimaerwärmung, wirtschaftliche Interessen von transnationalen Großunternehmen, die die lokale Bevölkerung außen vor lassen und geopolitische Machtansprüche üben Druck auf das Land aus. Intern entstehen Verschiebungen im Verhältnis zwischen Staat und Bürger:innen, die sich aus dem wachsenden identitätspolitischen Bewusstsein ergeben.
Julie Hardenberg, Unmask, 2017, ©Julie Hardenberg
Courtesy: Julie Hardenberg
Grönland - Not For Sale - Kalaallit Nunaat Forever ist eine Ausstellung in neun Kapiteln. Julie Edel Hardenbergs politische Kunst, die filmischen Panoramabilder und dreißig Videointerviews Gian Suhners zeichnen das Portrait eines Landes und seiner Menschen, das wir so noch nicht kannten.
Julie Edel Hardenberg (Paneeraq) ist Künstlerin, Schriftstellerin und Aktivistin. Zum ersten Mal wird die in Nuuk und Kopenhagen arbeitende Künstlerin in Deutschland gezeigt. Ihre Untersuchungen gelten dem Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark, den kolonialen Strukturen und wie sich die einst externe Macht ins Innere der Menschen verlagert hat. Aktuell arbeitet sie an einer Untersuchung des Verhältnisses von Macht und Ohnmacht im Kontext von Kolonialisierung und deren Aufarbeitung. Sie sucht nach den Zeichen und Auswirkungen von verkörperten Erfahrungen, die der Kolonialismus nicht nur in die Geschichte geografischer Orte eingeschrieben hat, sondern auch in die Körper der Menschen, die diese Orte heute bewohnen. Dort, so Hardenberg, gilt es anzusetzen, um Widerstand gegenüber kulturellen Überformungen, Unsichtbarmachung und Vergessen zu leisten. (FKV)
Grönland - Not For Sale - Kalaallit Nunaat Forever
19. Juni - 11. Oktober 2026
Eine Ausstellung des ALPS Alpines Museum der Schweiz, Bern, in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Kunstverein
Quelle: photo basel (pb)Das neue digitale Kunstmagazin berichtet über aktuelle Kunstmessen und Ausstellungen sowie über Kunst.
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