KUNSTPALAST präsentiert NIKI DE SAINT PHALLE

Das Werk von Niki de Saint Phalle (1930-2002) kreist um den Traum als radikalen Akt gesellschaftlicher Veränderung. In der groß angelegten Ausstellung DREAM MACHINE beleuchtet der Kunstpalast über vier Jahrzehnte hinweg ihren Kampf gegen Strukturen, die Frauen das Recht auf Selbstbestimmung - insbesondere über den eigenen Körper - verwehren.


Per Olof Ultvedt, Robert Rauschenberg, Martial Raysse, Daniel Spoerri, Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, 1962

Bild: Christer Strömholm, KUNSTPALAST

Aktion, Skulptur, Bühne und Film sowie Modelle begehbarer Architekturen machen Niki de Saint Phalles autobiografisches Worldbuilding, ihren Entwurf einer weiblich geprägten Welt, und ihre gemeinschaftliche Arbeitsweise sichtbar. Aus der gesellschaftlichen Sprengkraft ihrer Kunst und ihrer gleichzeitigen Sehnsucht nach Harmonie ist ein ambivalentes Werk entstanden, das die französisch-amerikanische Künstlerin schon zu Lebzeiten international erfolgreich machte und bis heute weiter an Aktualität gewinnt.

Träumen als kollektive Handlung

Die frühen 1960er - Jahre boten wenig Raum für Unabhängigkeit. Umso entschlossener formte Niki de Saint Phalle inmitten einer männlich dominierten Kunstszene eine Welt, die aus ihrem Inneren erwuchs: In Träumen, magischen Wesen und raumgreifenden Nana - Figuren verhandelt die Künstlerin sehr reale Vorstellungen gesellschaftlicher Veränderung. Vehement und radikal, frei und kompromisslos ebnet sie neuen Rollenbildern den Weg und findet in ihnen ein Korrektiv zu den patriarchalen Strukturen ihrer Zeit.

"Als eine der wenigen international sichtbaren Künstlerinnen ihrer Generation entwickelte Niki de Saint Phalle eine eigenständige Position in der Kunstgeschichte. DREAM MACHINE zeigt die außergewöhnliche Vielfalt ihres künstlerischen Schaffens und rückt ihre visionäre Vorstellung von Kunst als Raum für Selbstermächtigung, Gemeinschaft und sozialen Wandel in den Mittelpunkt - und lädt auch die Besucherinnen und Besucher zum aktiven Mitträumen ein", so Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes.


Blick in die Ausstellung "Niki de Saint Phalle. Dream Machine"

Bild: Andreas Endermann, KUNSTPALAST

Mit mehr als 100 Werken präsentiert der Kunstpalast in zwölf thematischen Räumen die ganze Bandbreite von Niki de Saint Phalles Schaffen, das Malerei, Assemblage, Performance, Skulptur, Architektur, Film, Grafik, Design und Kunst im öffentlichen Raum umfasst. Die Ausstellung betrachtet ihr Werk auch im Verhältnis zu ihrem künstlerischen Umfeld: Zum einen präsentiert sie Kollaborationen, unter anderem mit Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Jean Tinguely und dem Theaterregisseur Rainer von Diez. Zum anderen treten ihre Werke im Rundgang in Dialog mit zahlreichen Arbeiten ihrer Zeitgenossinnen wie Eva Aeppli, Dorothy Iannone, Yayoi Kusama oder Alina Szapocznikow und verorten ihr Schaffen im Kontext zentraler Positionen der feministischen Kunstgeschichte.

"Niki de Saint Phalle ist trotz ihrer fröhlichen, farbintensiven Bildsprache eine sehr genaue und kritische Beobachterin ihrer Zeit. Alltagskultur, politische Ereignisse und gesellschaftliche Strömungen tragen ihr Werk ganz wesentlich", so Heike van den Valentyn, Kuratorin der Ausstellung. "Weibliche Selbstermächtigung und grundlegender Wandle der Geschlechterverhältnisse waren ihre großen Anliegen. Sie wollte freie Frauen zeigen. Nachdem sie das Schießen aufgegeben hatte, wurde Freude zu ihrer neuen Waffe."

Aufbruch in eine eigene Bildsprache

Niki de Saint Phalle wurde am 29. Oktober 1930 in dem Pariser Vorort Neuilly - sur - Seine als Catherine Marie - Agnès Fal de Saint Phalle geboren und wuchs zwischen Frankreich und den USA auf. Nach einer kurzen Laufbahn als Model und Schauspielerin entdeckte sie Anfang der 1950er - Jahre die Malerei für sich. 1960 beendete sie ihre erste Ehe und widmete sich fortan der Kunst.


Blick in die Ausstellung "Niki de Saint Phalle. Dream Machine"

Bild: Andreas Endermann, KUNSTPALAST

Mit den Anfang der 1960er - Jahre in Paris entstandenen Schießbildern (Tirs) entwickelte Saint Phalle eine neue künstlerische Ausdrucksform. Für die Schießaktionen lud sie Künstler:innen und Freund:innen ein, auf weiße Gipsreliefs mit Farbbeuteln zu schießen. Durch die Einschüsse ergoss sich die Farbe unkontrolliert über die Oberfläche und verwandelte die Entstehung des Bildes in ein performatives Ereignis. Die Radikalität dieser Arbeiten veranlasste den französischen Kunstkritiker Pierre Restany dazu, Saint Phalle als einzige Frau in den Kreis der Nouveaux Réalistes aufzunehmen, zu dem unter anderem auch Yves Klein, Daniel Spoerri und Jean Tinguely, ihr langjähriger Partner, gehörten.

Niki de Saint Phalle schoss nicht nur auf Bilder. Sie zielte auch auf Männer, auf die Gesellschaft, ihre Familie und sich selbst - "gegen alle", wie sie 1961 formulierte. 1 Aus diesem radikalen Neuanfang entwickelte sich ihre unverwechselbare Bildsprache: monumentale, architektonisch gedachte Frauenkörper, die sich einladend entfalten und die Welt buchstäblich auf den Kopf stellen. (KP)

NIKI DE SAINT PHALLE - DREAM MACHINE

Termin: noch bis zum 07.02.2027
KUNSTPALAST
Ehrenhof 4 - 5
40479 Düsseldorf
www.kunstpalast.de

   Quelle: KUNSTPALAST (KP)

 

 

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